Klang und Rhythmus

Der Musikraum an unserer Schule kann als Differenzierungsraum sowohl für die Einzel- und Kleingruppenförderung, als auch für den integrativen Unterricht im Klassenverband genutzt werden. Hierfür eignet sich das Fach Musik besonders gut: Die Schülerinnen und Schülern wirken ihrem Vermögen entsprechend mit, etwa beim Spiel auf Rhythmusinstrumenten mit Handführung bis hin zum Sologesang oder selbstständigem Spielen von Melodien. Jede/r leistet dabei einen eigenen Beitrag und erhält damit eine Bedeutung für die Gruppe als Ganzes und das gemeinsame Klangergebnis, das sich wiederum als direkt erlebbares Feedback darstellt. Außerdem finden in diesem Raum klassenübergreifende Lernangebote statt, z. B. in Form von projektorientierten Interessen- oder Arbeitsgemeinschaften.

Bei den nach Bedarf zu fächernden Angeboten richtet sich unser Augenmerk zum einen auf die beachtliche Zahl der Schülerinnen und Schülern, bei denen die Rezeption von Musik einen erheblichen Teil ihrer Freizeitgestaltung ausmacht. Aufgrund solcher Vorerfahrungen lassen sie sich gerne zu mehr Eigeninitiative , Ausdauer und Toleranz motivieren. Mögliche Betätigungsfelder sind z. B. Texte lernen oder selbst texten, die eigene Stimme ausprobieren, kleine Choreographien erfinden u. v. a. m. und damit in der einen oder anderen Form eine zusätzliche Möglichkeit entdecken, sich auszudrücken.

Zum anderen richten sich die Lern- und Förderangebote an die wachsende Zahl der schwer- und mehrfachbehinderten Schülerinnen und Schülern an unserer Schule: Die Tiefe musikalischer Erlebnisfähigkeit ist unabhängig von Grad und Art der Behinderung. Untersuchungen haben ergeben, dass Musik selbst in tiefer Bewusstlosigkeit wahrgenommen wird. In der Medizin wird sie inzwischen zur Stress- und Schmerzminderung eingesetzt. Sie aktiviert Sinne und Gedächtnis, kann Erinnerungen und Assoziationen auslösen und Bewegung erfahrbar machen. Ihre Bedeutung auf interaktiv/kommunikativer Ebene reicht vom Ausdruck vor- und nichtsprachlicher Kommunikation über Anregung zum Sprechen und das Einprägen syntaktischer Grundformen bis hin zum kreativen Umgang mit Sprache. Durch Musik können emotionale Zustände bewirkt und ausgedrückt werden wie Ruhe, Unruhe, Ärger, Freude, Trauer, Angst, Spott, Zu- oder Abneigung, Erregung oder Entspannung. Auf der organischen Ebene wirkt sie auf Tonus, Atmung/Puls, Blutdruck und Limbisches System. Insbesondere für Schülerinnen und Schülern mit schwerer geistiger Behinderung ist Freude an Musik und Bewegung und aktive Teilhabe am Musizieren von Bedeutung. Es ist geboten, für sie bei der individuellen Förderung spezifische Lernangebote bereitzustellen, etwa ganzkörperliches Erleben von Schwingungen auf dem Vibrationswürfel, der Bassschlitztrommel oder dem Resonanzbrett, oder auch das Streichen über Saiteninstrumente, über klingende Mobiles oder Röhrenglocken.
Die Schülerinnen und Schüler mit Körperbehinderungen erfahren bei Übungen mit Trommel, Triangel, Becken oder Schlagstäben eine Förderung ihrer motorischen Fertigkeiten. Für Schülerinnen und Schülern mit schwerer geistiger Behinderung oder mit Verhaltensauffälligkeiten kann Musik den Zugang zur eigenen Persönlichkeit öffnen. Sie vermag auf Handeln und Verhalten positiv zu wirken. Insofern dient gemeinsame musikalisches Handeln der personalen und sozialen Integration von behinderten Menschen.

Auch können musikalische Elemente zur Rhythmisierung und Ritualisierung in Unterricht und Schulleben beitragen. So findet zum Beispiel jeden Freitag zum Wochenabschluss ein offenes Angebot zum gemeinsamen Singen und Musizieren statt.

In einer umfassenden Förderung werden nach A. Fröhlich alle Entwicklungsbereiche wie Wahrnehmung, Kommunikation, Bewegung, Kognition, Sozial- und Körpererfahrung miteinander in Verbindung gesetzt und wirken aufeinander.

Der Umgang mit Musik bietet in besonderem Maße Voraussetzungen für eine solche umfassende Förderung, wobei das musikalische Angebot an unserer Schule von der basalen Kommunikation (z. B. Atem- und Herzrhythmus des Kindes aufnehmen und darüber Kommunikation aufbauen), und vom "passiven" Aufnehmen der Musik über rhythmisches Bewegen bis zum aktiven Singen und spielen auf Instrumenten reicht.
Schule muss ein vielfältiges Musikangebot unterbreiten, denn ohne eine angemessene Musikpflege wird das behinderte Kind um die Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse gebracht. Der Fachbereich Klang und Rhythmus versucht, diesem Anspruch auch an unserer Schule durch personelle und materielle Ausstattung immer besser gerecht zu werden.